Werder hilft – zahlreiche Unterstützungsaktionen gestartet

Werder(Havel), 15.März- In den vergangenen Tagen an einen normalen Alltag zu denken, fällt zunehmend schwerer. Auch wenn wir vielleicht wie immer in den Tag starten, beherrscht doch ein neues, allgegenwärtiges Thema unsere Gedanken – der Krieg in der Urkaine. Wer angesichts der vorherrschenden Coronapandemie müde ob der ständigen Berichterstattung war, wünscht sich diese heute gar zurück.

Ein Hoffnungsschimmer hingegen sind die unzähligen Initiativen, die sich deutschlandweit und europaweit gegründet haben, um der anrollenden Flüchtlingswelle gut gewappnet entgegen zu treten. Wer kann, der hilft und setzt damit ein klares Zeichen gegen den Krieg. Viele Akteure der heimischen Wirtschaft stampfen tolle Aktionen aus dem Boden. Spendenläufe und Sammelaktionen werden tatkräftig unterstützt. Wer aktuell im werderaner EDEKA Markt von Katrin Schneider einkaufen geht, dem wird an der Kasse die Frage gestellt: “Möchten Sie aufrunden? ” Damit beteiligt sich der Markt an einer bundesweiten Aktion der Edeka, um Geld für die Ukraine zu sammeln.

“Innerhalb von nur drei Tagen sind so bereits 800 Euro zusam- mengekommen”, zeigt sich Katrin Schneider sichtlich bewegt über die Anteilnahme aller. Sie selbst packte Obst und Sanitärartikel zusammen und schickte sie ins polnische Lublin. Und das sind nur kleine Bespiele, die insgesamt ein großes Ganzes ergeben. Wir sind zutiefst bewegt darüber, mit wieviel Herz, Selbstlosigkeit und Entschlossenheit die Akteure eine solch große Aufgabe angehen. ♥ DANKE ♥

Währenddessen stehen auch bei der Stadtverwaltung Werder (Havel) die Telefone nicht still. Nach einem Aufruf der Bürgermeisterin Manuela Saß melden sich immer mehr Werderaner*innen, die eine Unterkunft für Geflüchtete zur Verfügung stellen möchten: „Werderaner Privatleute und Leistungsträger wollen in ihren Ferienwohnung und Gästezimmern insgesamt etwa 200 Unterkünfte für die Kriegsflüchtlinge bereitstellen.“

Die Adressen werden gebündelt an den Landkreis vermittelt, der an dieser Stelle die Koordination und Vermittlung übernimmt. Die Stadt wird voraussichtlich am 16. März einen koordinierten Hilfstransport nach Przemyśl in Polen senden. Die 65.000-Einwohner-Stadt befindet sich an der ukrainischen Grenze.

Von Werder aus sollen dringend benötigte Hilfsgüter und Medikamente in zwei Lkw und Begleitfahrzeugen nach Przemyśl gebracht werden. Ein Kontakt mit der polnischen Botschaft in Berlin und Ansprechpartnern in der Grenzregion sichert, dass Hilfsgüter geliefert werden, die von den Kriegsflüchtlingen beziehungsweise für die Hilfe in der Grenzregion tatsächlich auch benötigt werden. Gesammelt wurde an drei aufeinan- derfolgenden Tagen und es kam einiges zusammen. Windeln, Babynahrung, Powerbanks, Stirnlampen, Verbandskoffer und vieles mehr füllen einen großen Transporter. Bereits am ersten Tag der Sammelaktion gab es nach wenigen Stunden einen Annahmenstopp für Decken und Kleidung. Die Zollschule allein brachte 500 Decken. Auch die werderaner Ärzte und Ärztinnen spendeten ein großes Arsenal an medizinischen Gütern, die vor Ort an ein Krankenhaus geliefert werden.

Bereits am Wochendende vom 5. März machte sich ein Vereinsbus des Werderaner FC auf an die Polnisch-Ukrainische Grenze, um Bekannte einer in Glindow lebenden Familie abzuholen. Ein älteres Ehepaar, eine Frau und ihre 11-jährige Tochter sowie ein älterer Herr, der kurz vor der Flucht operiert werden musste, wurden nach 16-stündiger Fahrt gen Osten an der Grenze abgeholt. Sie hatten sich zuvor direkt an die Glindower Familie gewandt, die dann alle Hebel in Bewegung setzte, um die Abholung und Unterbringung zu organisieren. So wurden kurzerhand der Bus des WFC und eine Ferienwohnung eines Vorstandsmitglieds zur Verfügung gestellt und alles für die Ankömmlinge vorbereitet. Die Fahrt nach Polen übernahm der Glindower Familienvater selbst und war dort mit teils chaotischen Zuständen und zahlreichen Frauen mit Kleinkindern, die auf einen Weitertransport in die Sicherheit warteten, konfrontiert. Nachdem der frisch operierte Mann von einem polnischen Krankenwagen über die Grenze transportiert und versorgt wurde, konnte der Bus nun endlich den Heimweg nach Werder antreten. Gegen 3 Uhr nachts erreichten die sich nun schon fünf Tage auf Flucht befindlichen Ukrainer und Ukrainerinnen ihre vorbereitete Ferienwohnung in Ferch. Organisiert wurde die private Hilfsaktion innerhalb weniger Stunden – sie ist in dieser Zeit eines von vielen kleinen Lichtern der Hoffnung und Hilfsbereitschaft am Horizont. Natürlich ist nicht immer ein direkter Kontakt in die Krisenregion vorhanden. Wer dennoch helfen möchte und die Möglichkeit hat, eine Unterkunft für den weiteren zu erwartenden Strom an Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, kann eine Email mit dem Betreff “Unterkunft” an hilfe@werder-havel.de senden.

Auch das “Netzwerk Neue Nachbarn Werder”, das seit sieben Jahren Geflüchtete in Werder unterstützt und begleitet, ist beeindruckt und dankbar für die große Aufnahme- und Hilfsbereitschaft. Es gibt eine Email-Liste, über die sich 100 Werderaner*innen hinsichtlich Hilfe und Rat austauschen. Wer sich im Netzwerk Neue Nachbarn Werder einbringen will, schreibe eine Mail an kontakt@netzwerk-neuenachbarn-werder.de.

Auch die Klimawerkstatt öffnet ihre Türen für Menschen, die sich fern der Heimat mit Landsleuten austauschen möchten.
Ab 17 Uhr stehen jeden Tag Tee, Kaffee und Kekse bereit. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Falls Sie Kontakt zu aus der Ukraine geflüchteten Menschen haben, geben Sie ihnen diese Information gerne weiter! Alle Informationen unter www.klima- werkstatt.info. (wsw)