Werder soll „wolfsfreie Zone“ werden

„Überall auf der Welt, wo es eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung gibt, wird er gejagt“, sagt Fraktionschef Hermann Bobka.

Werder (Havel), 5. Dezember 2018 – Erneute Kritik am aktuellen Wolfsmanagementplan des Landes: Hatten wir jüngst über den Krielower Bauern Marco Hintze berichtet, der sich als Bauer und als Präsident des Bauernbundes Brandenburgs gegen den absoluten Schutz des Wolfes aussprach, soll sich nun auch die Stadt Werder (Havel) der Initiative „Wolfsfreie Zone“ anschließen. Darin fordern Privatpersonen, aber auch Städte und Gemeinden die Errichtung von wolfsfreien Zonen. Der Wolfe solle der Petition zufolge nicht erneut ausgerottet werden, allerdings sollen überall, wo Menschen und Weidetiere sind, Wölfe konsequent gejagt werden dürfen. Nur echte Wildnis solle den Forderungen zufolge als Schutzgebiet ausgewiesen werden. Aktuell hat die Initiative 7353 Unterzeichner.

Die CDU-Fraktion der Stadt unterstützt diese Initiative und wird einen entsprechenden Antrag in die kommende Stadtverordnetenversammlung am 13. Dezember ab 18.30 Uhr im Schützenhaus einbringen. „Die im derzeitigen Wolfsmanagementplan vorgesehene flächendeckende Ausbreitung der Wölfe in Brandenburg ist naturschutzfachlich nicht sinnvoll und naturschutzrechtlich nicht erforderlich. Zudem werde sie den berechtigten Interessen der Bevölkerung in den betroffenen ländlichen Regionen nicht gerecht. Inbesondere die Schädigung der Weidetierhalter durch ständig steigende Risse nehme existenzbedrohende Formen an, heißt es in der Begründung. Zudem müssten die öffentlichen Interessen, insbesondere auch der Schutz der Bevölkerung und die unbeschwerte Nutzung der offenen Landschaft für Naherholung und Tourismus beachtet werden.

Alle der Versuche der Prävention – Zäune oder Herdenschutzhunde – hätten sich nach Aussage der betroffenen Landwirte als nicht erfolgreich herausgestellt. „Überall auf der Welt, wo es eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung gibt, wird er gejagt“, so Fraktionschef Hermann Bobka. „Da müssen wir in Brandenburg das Rad nicht neu erfinden“.

Die Stadt Werder (Havel) könne die hierfür erforderlichen Schritte zwar selbst nicht einleiten, aber sie könne mit der Erklärung zur wolfsfreien Zone eine Willensbekundung abgeben, mit der sie die Landesregung zum Handeln veranlassen. Das will die CDU-Fraktion mit dem Antrag in die Stadtverordnetenversammlung erreichen. 

Wolfsinformationszentrum eröffnet

Unterdessen wurde gestern, am 6. Dezember, durch Umweltminister Jörg Vogelsänger in Groß Schönebeck das Brandenburger Wolfsinformations- und Herdenschutzzentrum eröffnet.

Mit rund einer Million Euro aus ELER-Mitteln (Europäischer Agrarfonds zur Entwicklung der ländlichen Räume) hat das Land die Einrichtung des Informationszentrums auf dem Gelände des Wildparks Schorfheide unterstützt.

Vogelsänger: „Das Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrum wird nicht nur mit der Ausstellung und dem Freigehege über diese Tierart und über Möglichkeiten des Herdenschutzes informieren, sondern aktiv auf diejenigen zugehen, die von der Rückkehr des Wolfs nach Brandenburg in besonderer Weise betroffen sind. Es soll deshalb auch ein Ort für Vorträge, Seminare und Tagungen zum Umgang mit dem Wolf und zum Herdenschutz werden.“

In Groß Schönebeck knüpft Brandenburg den Informationen des Ministeriums zufolge an Erfahrungen mit dem Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ an. Seit Rückkehr der Wölfe nach der Jahrtausendwende – zunächst nach Sachsen, dann nach Brandenburg – haben Wolfs-Betroffene und Medien immer wieder auf die Expertise und Informationsangebote der Fachleute im sächsischen Rietschen zurückgegriffen.

Sowohl finanziell wie personell hat sich das Land bereits in der Vergangenheit dem wachsenden Bedarf gestellt. Als mittlerweile hauptbetroffenes Bundesland ist es nur konsequent, das inzwischen in Brandenburg erreichte Knowhow zu bündeln und eine spezialisierte Informationsstelle, die auch öffentlich ist, einzurichten.

Die Ausstellung als Kern des neuen Zentrums konnte seit Übergabe des Förderbescheids Ende 2016 im Zeit- und Kostenrahmen realisiert werden. Dank der Unterstützung des WWF Deutschland wurde ein Freigehege, speziell zum Thema Herdenschutz, integriert.

Die rollstuhlgerecht erreichbare Dauerausstellung widmet sich in fünf Abschnitten vor allem dem Verhältnis von Wolf und Mensch. Neben dem Sozialverhalten der Wölfe und ihrem Kommunikationsgebaren geht es um dessen Lebensräume, um „gute“ und „böse“ Wölfe.

Der Wildpark unter der Leitung von Geschäftsführerin Imke Heyter zählt jährlich 80.000 Besucher. Er liegt am Rand des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin und beherbergt seit 1996 ausschließlich Tierarten, die hier heimisch waren beziehungsweise es heute noch sind. Seit 1998 werden im Wildpark Europäische Wölfe gehalten. Seit vielen Jahren wird hier zu Führungen zum Wolfsgehege eingeladen. Ein besonderer Erfolg sind die zweimal monatlich bei Vollmond angebotenen „Wolfsnächte“, bei denen bereits 7.000 Teilnehmern das Thema Wolf in Brandenburg nahegebracht werden konnte.

Wölfe im Land Brandenburg

Nach der bundesweiten Auswertung des Wolfsjahrs 2017/2018 sind für das Land Brandenburg 26 Rudel und 12 Paare nachgewiesen. Insgesamt wurden vom Landesamt für Umwelt in diesem Zeitraum 4.267 Nach- und Hinweise überprüft.

Bei 11 der 12 Paare konnte im Rahmen des Monitorings im laufenden Wolfsjahr 2018/2019 bereits eine Reproduktion nachgewiesen werden. Das Landesamt für Umwelt geht daher aktuell für Brandenburg von 37 Rudeln und einem Paar aus.

Seit 1990 fielen im Land Brandenburg 72 Wölfe dem Straßenverkehr und einer dem Bahnverkehr zum Opfer. Das entspricht 70 Prozent aller Wolfstotfunde. Des Weiteren wurden 16 illegal geschossene Wölfe bekannt. Elf der aufgefundenen toten Wölfe erlagen sonstigen Ursachen. Bei vier Tieren konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden.

Der Umgang mit der international streng geschützten, aber stetig wachsenden Wolfspopulation sorgt seit Jahren für öffentliche, kontrovers geführte Diskussionen im Land. Politisch stehen Wolfsthemen derzeit auch auf den Umweltministerkonferenzen, im Bundesrat und bei der Europäischen Union auf der Agenda. (mlul/wsw)

Wolfsseite des Landes Brandenburg: https://lfu.brandenburg.de/info/wolf


Bauer Hintze gegen den Wolf

Werder (Havel), 19. November 2018 - Gefährlich oder nützlich? Wie viele Wölfe kann Deutschland, kann Brandenburg, kann die Mittelmark vertragen? Die Naturschützer jubeln, der...