Werder-Töplitz-Glindow Helau!

Eigentlich würden die zahlreichen Jecken und Narren aus den Werderaner Karnevalsvereinen gerade mitten in den Vorbereitungen für die Karnevalsfeierlichkeiten stehen. Showtänze würden einstudiert, das Bühnenprogramm würde abgestimmt und Büttenreden finalisiert. Doch der Karneval macht vorerst eine (Zwangs-)Pause.

Werder (Havel), 11. Januar 2021 – Wo sonst Pailletten, Konfetti und Helau-Rufe den Saal erhellen, bleibt es in dieser Saison trist und leise. Die Kostüme müssen im Schrank verweilen, die Tanzschuhe stehen still und geschunkelt wird, wenn überhaupt, nur zu Hause, auf Abstand. 

Für die Karnevalsvereine in Werder (Havel), Glindow und Töplitz bedeutet dies: keine Auftritte, keine Prunksitzungen, keine Stimmungsmusik. Doch die Vereinsarbeit läuft natürlich auch ohne große Karnevalsfeiern weiter. 

In Töplitz, mit 60 Mitgliedern und Freunden der kleinste der drei Vereine, sind die Einschränkungen deutlich zu spüren. „Es gab etliche Ansätze zur Weiterführung des Vereinslebens und es sah zwischenzeitlich so aus, dass zumindest das Tanztraining mit den Kinder- und Jugendgruppen unter einem besonderen Hygienekonzept weitergehen konnte. Allerdings kämpfen wir zusätzlich zur Coronakrise auch noch mit einem akuten Trainermangel, so dass wir noch kein Training starten konnten“, verrät uns Kathrin Fehling. 

Frühzeitig entschied der Vorstand jedoch, auf die aktuelle Saison zu verzichten. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft und hoffen, bald genügend Trainer für die Gruppen gewinnen zu können.“ Wie und wann es für die Töplitzer Karnevalisten weitergeht, ist noch offen. „ Wir möchten alle Mitglieder und Freunde das Vereins bitten durchzuhalten, jeder ist aufgerufen Ideen und Alternativen zu sammeln, um den Verein zusammenzuhalten“, so Kathrin Fehling abschließend.

Und auch beim Karnevalsclub Werder (Havel) e.V. hat die Pandemie das Narrentreiben durcheinander gebracht. Seit nunmehr 60 Jahren begleitet der KCW, die fünfte Jahreszeit in Werder, mit Veranstaltungen und weiteren öffentlichen Aktivitäten. Alle Mitglieder des Vereins planen und organisieren dieses Highlight, üben die Tanzgruppen, lassen sich die Büttenredner kleine Geschichten zum Lachen und Nachdenken einfallen, suchen die Sänger Lieder aus und trainieren ihre Stimmbänder. Die Technik und Dekoration werden besprochen und organisiert. So war es nun 59 Jahre lang die „Normalität“ des närrischen Treibens.

Als feststand, dass keine offiziellen Veranstaltungen in der Jubiläumssaison stattfinden werden, wurde die Idee #Karnevalimnetz geboren. Erste Videos des KCW gingen am 11.11.2020 pünktlich um 11:11 Uhr auf verschiedenen Portalen im Internet online. „Für die zweite Hälfte der Saison sollen dann, falls die Corona-Regeln es zulassen, weitere Videos folgen. Ziel ist dabei, ein gesamtes Bild von den einzelnen Gruppen im Internet zu präsentieren, so dass ein volles Programm einer Abendveranstaltung Stück für Stück der Öffentlichkeit gezeigt werden kann“, erklärt uns KCW-Pressesprecher Bernd Neumann.

Parallel dazu sollen von den Proben kurze Beiträge zeitnah erstellt werden und sogenannte Outtakes würden die kleinen und großen Pannen bei den Aufzeichnungen zur Belustigung zusammenfassen. „Damit bewältigen wir zwei Herausforderungen: Erstens haben dadurch unsere Mitglieder in den Gruppen ein Trainingsziel und zweitens können wir die karnevalinteressierten Menschen durch die kalte Jahreszeit mit einem Karnevalsgruß begleiten“, so Bernd Neumann weiter. „Wir, als Karneval in Werder, sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden uns nicht dazu hinreißen lassen, durch öffentliche Veranstaltungen ein neuer Hotspot der Corona-Infektion zu werden. Wir hoffen natürlich, dass wir alle, so zeitnah wie möglich, wieder unser Bühnenprogramm auf der Bismarckhöhe gestalten können. Denn natürlich freuen wir uns auf die Reaktionen unseres Publikums und auf die Begegnungen mit Freunden des Karnevals, sowie ausgelassenes Feiern.“  

Und auch wenn das große 60. Jubiläum nicht gefeiert werden konnte, freut sich der KCW doch schon jetzt auf eine gebührende Sause zum 60+1, 60+2 … 

Auch beim Glindower Carneval Club steht in dieser Saison ein rundes Jubiläum auf dem Plan: Seit nunmehr 66 Jahren heißt es aus Werders größtem Ortsteil alljährlich: „Glindow Helau!“ Der Presseverantwortliche für den GCC, Tobias Stage, teilte uns mit, dass es in den vergangenen 66 Jahren gerade einmal zwei Sessionen gab, wo der GCC aussetzen musste. In einem Jahr standen keine Räumlichkeiten zur Verfügung und in dem anderen Jahr wurden die Feierlichkeiten wegen des damaligen Kuwait-Krieges ausgesetzt. „In beiden Fällen konnten zwar keine Veranstaltungen stattfinden, aber wir hatten uns. In dieser Saison führen wir wieder einen Kampf, einen Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner. Dieser Gegner befällt nicht nur die Infizierten, er zerteilt auch das uns. Wir sind eine große Familie, wir brauchen uns gegenseitig, damit wir funktionieren, wir müssen uns streiten, uns versöhnen und dann tanzend darauf anstoßen können. So sind wir Karnevalisten. Wir funktionieren nur zusammen. Umso schwerer fällt es uns, unser Vereinsleben momentan aufrecht zu halten“, so Tobias Stage weiter. 

„Wir hatten Großes vor für unsere 66. Session. Mit neuen Räumlichkeiten und einem neuen besonderen Programm wollten wir unserem treuen Publikum danken und ihnen etwas besonderes zurück geben.“ Doch der GCC versucht derzeit mit allen Möglichkeiten, die Vereinsfamilie zusammenzuhalten. Mit kleinen Videos oder Fotos der einzelnen Gruppen, mit lieben Worten oder auch mit kleinen Geschenken. Die Ideen dazu kommen meiste aus den sehr engagierten Tanz- und Turniergarden und werden liebevoll gemeinsam umgesetzt. 

„Wir geben alles, um gestärkt aus der aktuellen Situation hervor zu gehen. Um euch hoffentlich bald eine noch schönere Session 66a zu präsentieren. Leider kann uns noch niemand sagen, wie lange wir noch kämpfen müssen, aber wir werden kämpfen. Für den Karneval, für den GCC und für uns!“ (wsw)