Werders Bürgermeisterkandidaten treffen sich zur Diskussion

Werder(Havel), 24.Mai 2022– Es ist ein warmer Dienstagabend. Schon um 18.30 Uhr, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Start, versammeln sich viele interessierte Bürger*innen vor dem Scala Kulturpalast – es liegt Spannung in der Luft. Sie alle möchten bei der Diskussionsrunde anlässlich der am 12. Juni stattfindenden Bürgermeisterwahl dabei sein. Und auch die Kandidaten waren schon vor Ort. 

Die Kandidat*innen 

Für die Partei „Die Linke“ tritt der Polizist Timo Ritter an, der ursprünglich aus der Oberlausitz kommt. Er ist seit 2018 Vorsitzender des Gesamtpersonalrates beim Polizeipräsidium und sagt über sich selbst, dass er ein „soziales Herz“ hat. 

Anja Spiegel wurde in der Nähe von Bonn geboren, lebt aber schon seit ihrem 14. Lebensjahr in Werder (Havel). Seit rund 20 Jahren ist sie aktives Mitglied der SPD. Für Werder setzte sie sich von 2008 bis 2020 in der Stadtverordnetenversammlung ein. Sie sieht sich aufgrund ihrer jahrelangen Verwaltungserfahrung als geeignete Bürgermeisterin für Werder (Havel). 

Die amtierende Bürgermeisterin Manuela Saß von der CDU führte die Liebe zu ihrem Ehemann von Mecklenburg-Vorpommern nach Werder (Havel). Seit acht Jahren leitet sie nun schon das Rathaus, in dem sie vor ihrer Amtszeit bereits als 1. Beigeordnete tätig war. 

Marlon Deter von der AfD wohnt schon sein ganzes Leben in Werder (Havel). Bevor er Mitglied in der AfD wurde, war er bereits über 20 Jahre bei der SPD aktiv. Er glaubt, dass er durch seine berufliche Tätigkeit als Bankmanager, gut für das Bürgermeisteramt geeignet ist. 

Anika Lorentz ist zwar parteilos, wird aber von den StadtMitGestaltern und der Partei „Bündnis 90 / Die Grünen“ unterstützt. Seit 1994 lebt sie in Werder und ist seit 2009 am Ernst-Haeckel-Gymnasium als Lehrkraft tätig. Im Jahr 2019 wurde sie in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Die Glindowerin beschreibt sich selbst als sehr empathisch und möchte ihren Fokus auf die Digitalisieurng setzen. 

Pünktlich um 19 Uhr füllte sich dann der Saal. Das Interesse an der Diskussionsrunde war so groß, dass das Scala aus allen Nähten platzte. Zunächst stellten sich die Organisatoren des Abends vor. Dazu gehörten das „Aktionsbündnis Weltoffenes Werder“ und die „Klima Initiative Werder“ mit Simone Holzwarth. Gemeinsam mit dem Scala Kulturpalast haben sie diesen Abend möglich gemacht. Während die Kandidaten Platz nahmen, stellte sich der Moderator Timo Kaphengst dem Publikum vor. Er hatte die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass auch die Fragen aus den Zuschauerreihen beantwortet werden und die Diskussion in ihrer Länge nicht zu sehr ausartet.

Von Umweltfragen bis zum Baumblütenfest 

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Kandidat*innen folgte das erste Thema. Bei der Klima- und Umweltpolitik wurde über vieles diskutiert, das nicht nur für die Kommunalpolitik von Bedeutung ist, sondern auch für den Rest der Welt. Besonders im Fokus standen das Bauen bzw. Nichtbauen von Windkraftwerken und die Bodenversieglung in Werder. Auch die Anpassungsmöglichkeiten an die bereits eingetretenen Folgen des Klimawandels wurden diskutiert. Zum Beispiel, wie in Zukunft mit der Verknappung des Wassers umgegangen werden soll. 

Inklusion und Rassismus waren bei der Gesprächsrunde im Scala ebenfalls wichtige Themen. Hierbei wurden Werderaner Vereine wie das „Netzwerk Neue Nachbarn“ gelobt, die mit ihrer Arbeit unter anderem ukrainischen Flüchtlingen dabei helfen, sich in Werder zurechtzufinden. Man zeigte sich auch gegenüber allen dankbar, die Unterkünfte für die ukrainischen Geflüchteten bereit stellten. 

Und auch die alltäglich Probleme der Werderanerinnen und Werderaner wurden in der Diskussionsrunde zur Sprache gebracht. So wurde zum Beispiel über die durch Wohnungsmangel steigenden Mieten gesprochen. Bei den Vorschlägen der Amtsanwärter war von der Ansicht, dass sich die HGW wieder mehr auf den Wohnungsbau fokussieren müsse und der Idee, Umzüge von großen in kleinere Wohnungen attraktiver zu machen, alles dabei. Die Redner nahmen sich in diesem Zusammenhang gleich noch Zeit für die Kleingartenbesitzer und deren Sorgen. 

Werders Radfahrer sollten an diesem Abend auch nicht zu kurz kommen. In Verbindung mit der anstehenden Verkehrswende nahm man den Ausbau des Radwegenetzes und den Unfallschutz der Radfahrer ins Visier. Zum Abschluss fand auch die Baumblüte bei den Kandidaten Beachtung. 

So möchte Bürgermeisterin Manuela Saß wenn sie weiterhin im Amt bleibt, dafür Sorge tragen, dass die Baumblüte so aufblühen wird, wie es sich die Bürger im Bürgerbeteiligungsverfahren gewünscht haben. Besonders am Herzen liegen ihr beliebte Traditionen, wie der Werdertag, der Festumzug und der Baumblütenball. Zusätzlich soll ein Weindorf auf dem Marktplatz der Insel etabliert werden. Marlon Deter wünschte sich hingegen eine Baumblüte wie vor der Pandemie. 

Entscheidungen über den Ablauf zum Baumblütenfest könnte jedoch keiner der Amtsanwärter alleine treffen. Denn für jeden Beschluss müssen auch immer die Stadtverordneten hinzugezogen werden. Zusammen mit der Bürgermeisterin besteht die Stadtverordnetenversammlung zum aktuellen Zeitpunkt aus insgesamt 33 Mitgliedern. Die CDU ist mit 12 Mitgliedern am stärksten in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Doch auch die Parteien der anderen Kandidat*innen sind mit drei bis fünf Mitgliedern dabei. 

Innerhalb der Versammlung gibt es sechs Ausschüsse, die sich mit den verschiedensten Themen befassen. Dazu gehören zum Beispiel der Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt sowie der Ausschuss für Wirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus und Finanzen. Die Vorsitzende der SVV ist Anette Gottschalk (CDU), ihre Stellvertreter sind Dr. Claudia Fehrenberg (Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Hinze (Die Linke).

Insgesamt war es eine spannende und informative Diskussionsrunde, die sogar um eine halbe Stunde verlängert wurde. Einige Besucher*innen wären vermutlich noch länger geblieben, um noch mehr über die Pläne der Kandidat*innen für unsere Blütenstadt zu erfahren. Auch wenn man nicht immer einer Meinung war, war der Umgang der Parteimitglieder untereinander zum Großteil sachlich und respektvoll. 

Es gab in einigen Punkten sogar parteiübergreifenden Konsens. Und auch die teilweise kritischen  Fragen des Publikums wurden kompetent und klar beantwortet. Selbst Zwischenrufe hielten sich in Grenzen. Wer sich nach diesem Einblick auch am politischen Geschehen in Werder beteiligen möchte, tut dies am besten, in dem er am 12. Juni in die Wahlkabine geht und seine Stimme für den Kandidaten oder die Kandidatin seiner Wahl abgibt. 

Wer nicht länger warten möchte oder wem der Weg zur Wahlkabine zu aufwendig ist, kann schon seit dem 6. Mai 2022 seine Briefwahlunterlagen anfordern und seine Stimme per Post abgeben. Für die Beantragung reicht eine formlose E-Mail an 

buergerservice@werder-havel.de mit Namen und Vornamen, dem Geburtsdatum und der Anschrift. Alternativ kann man auch auf die Website  https://www.wahlschein.de/12069656 gehen oder den QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung scannen. 

Wähler die eine analoge Methode zur Anforderung der Unterlagen bevorzugen, können die Rückseite des Wahlbenachrichtigungsbriefes ausfüllen und unterschreiben. Sollte man per Briefwahl seine Stimme abgeben, muss man beachten, dass der Brief spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr bei der Wahlbehörde, Eisenbahnstraße 13/14, 14542 Werder (Havel) vorliegt.  

Falls es zu einer Stichwahl am 26. Juni kommen sollte, werden den Briefwähler*innen automatisch neue Wahlunterlagen zugesendet. Personen, die erst am 26. Juni wahlberechtigt sein sollten, bekommen ebenfalls automatisch Briefwahlunterlagen. (wsw)