Werders Schulen komplett vernetzt

In fast sämtlichen Klassenräumen sind sogenannte Access Points installiert, die die Nutzung von Notebooks und interaktiven Tafeln im Unterricht möglich machen.

Werder (Havel), 12. März 2019 – „Na, macht Euch das Spaß?“, fragte Bürgermeisterin Manuela Saß in die Runde der Drittklässler der Karl-Hagemeister-Grundschule, die ihre Montagsgeschichte gestern am Laptop schrieben. Ein einhelliges „Jaaa“ tönte es als Antwort. Und als die Bürgermeisterin weiter fragte: „Macht das mehr Spaß als mit der Hand zu schreiben?“, kam ein noch lauteres „Jaaaaa!“ zurück.

Dabei suchten die meisten der Mädchen und Jungen noch konzentriert nach den Buchstaben auf der Tastatur, schoben die Maus hin und her und probten sich auch schon mal im Einsetzen von Herzen oder anderen Formen. Wir durften den Kindern ein wenig über die Schulter schauen und erfahren, dass über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler auch zu Hause bereits Erfahrungen am Computer sammeln. Klassenleiterin Anja Voigt berichtet, dass die herkömmlich mit dem Füller geschriebenen „Montagsgeschichten“ sonst gern schon mal zwei Seiten füllen. So schnell sind die Kids am Notebook noch nicht. Die Wichtigkeit des Lernens an der neuen Technik sei aber unstrittig. Und der Spaß daran nicht zu übersehen.

Bürgermeisterin Manuela Saß betonte, dass sich die IT-Ausstattung an Werders Schulen sehen lassen könne. Die Stadt habe frühere Förderprogramme genutzt und selbst einen siebenstelligen Betrag in die IT-Ausstattung ihrer Schulen investiert. Zuletzt hatten die Stadtverordneten im vergangenen Jahr beschlossen, 200.000 Euro zusätzlich in den Haushalt einzustellen.

Inzwischen sind Werders Schulen komplett vernetzt. In fast sämtlichen Klassenräumen sind sogenannte Access Points installiert, die die Nutzung von Notebooks und interaktiven Tafeln im Unterricht möglich machen. Zudem gibt es laut einer Mitteilung der Stadt an allen Schulen gut ausgestattete Medienkabinette und mobilen Notebookwagen mit Klassensätzen.

Im Medienkabinett an der Karl-Hagemeister-Grundschule werde die individuelle Lernstandsanalyse ILeA bereits am Computer erledigt, berichtet Schulleiterin Anja Lidzba. Das Medienkabinett wird aber auch mit interaktiver Tafel für den Fachunterricht genutzt. Zweiwöchentlich findet hier eine AG Computer statt, in der die Schüler ihren Medienführerschein ablegen können, so Lidzba. Von den Eltern käme ausschließlich positive Resonanz und auch die Lehrerinnen und Lehrer schätzten die neue Form der Wissensvermittlung. Auch ältere Kolleginnen und Kollegen, die dem Thema vielleicht anfangs ablehnend gegenüberstanden, sähen die Wichtigkeit auch der eigenen Weiterbildung ein und erkennen die Vorteile der neuen Technik.

Schon seit sechs Jahren habe die Stadt, so die Bürgermeisterin, einen jährlichen Haushaltsposten von 65.000 Euro, der ausschließlich dafür geschaffen wurde, alle fünf Jahre die Rechnerausstattung an den Schulen zu modernisieren. Die IT-Ausstattung spiele für die Vermittlung von Lerninhalten und die Vorbereitung der Schüler auf ihr Berufsleben eine große Rolle.

Saß begrüßte, dass sich der Landkreis Potsdam-Mittelmark – stellvertretend für die Kommunen – um Mittel aus dem Programm „Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland“ bemühe. Nach einer vorläufigen Förderzusage erwartet der Landkreis in den nächsten Wochen einen endgültigen Förderbescheid.

Aktuell stehen an vielen Schulen in Werder nur 16 Mbit zur Verfügung, bedauerte Christian Zube, der für die IT-Einrichtung an allen Schulen der Blütenstadt zuständig ist. Aber die weißen Flecken im Breitbandnetz des Landkreises sollen geschlossen werden und sämtliche Schulen künftig mit 1 Gbit ans Breitbandnetz angeschlossen werden.

Aus aus dem „Digitalpakt Schule“, einem weiteren Förderprogramm, will Werder profitieren. Am 15. März soll er im Bundesrat beschlossen werden. Bundesweit sollen dann fünf Milliarden Euro Fördermittel für IT-Ausstattung an Schulen bereitgestellt werden. Werder erhofft sich gut eine Million Euro, denn im Land Brandenburg sollen mit zehnprozentiger Kofinanzierung des Landes 160 Millionen Euro bereitstehen.

Bis dahin haben die Drittklässler bestimmt noch einige Montagsgeschichten aufgeschrieben – mit dem Zehn-Finger-Such-System. Die Berichte über Wochenendausflüge, Geburtstagsfeiern oder anderen Erlebnisse sollen später sogar in einem Geschichtenbuch zusammengefasst werden. (wsw)