Wie ein mediterraner Urlaubstag

Anbaden unter Palmen

Werder (Havel), 14. Dezember 2020 – Der Wildbach rauscht bereits, während im Hintergrund noch emsig an vielen Stellen gearbeitet wird. Als sich Raphael und Ruben mutig in die Wellen stürzen, ist das Wasser noch ganz schön kühl, aber die beiden 6- und 11-Jährigen haben trotzdem großen Spaß beim Testen der Angebote im Familienbereich der neuen Havel-Therme. Sie sind die ersten Kinder, die hier vor der offiziellen Eröffnung, mit Taucherbrille und Handtuch bewaffnet, anbaden dürfen. Ihr Fazit nach Planschen, Rutschen und Co.: „Total klasse!“ Eine Erweiterung des Thermenangebotes um einen Kinder- und Familienbereich war der ausdrückliche Wunsch der Stadt, als es darum ging, einen neuen Partner zu finden. 


„Dieser Bereich ist für mich der schönste der gesamten Havel-Therme und ich bin sicher, es werden hier zukünftig viele kleine und auch große Werderaner Spaß beim Baden und beim Rutschen haben“, freut sich Bürgermeisterin Manuela Saß über die ersten strahlenden Kinderaugen. 

Anfang Dezember fand die baurechtliche Abnahme statt, doch Corona machte einer großen Eröffnungsfeier leider einen Strich durch die Rechnung. „Natürlich hatten wir Großes für die Eröffnung geplant, die Einladungen waren gedruckt, die Band bestellt, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben“, erzählt uns Andreas Schauer. 

Andreas Schauer und Manuela Saß

Er ist in Werder längst kein Unbekannter mehr. Mit seiner Projektgesellschaft „schauer & co.“ betreibt der Überlinger inzwischen mit den Neueröffnungen im nächsten Jahr neun Thermen und Bäder. Seine Leidenschaft für das kühle Nass wurde schon in jungen Jahren geweckt. Als ehemaliger Leistungsschwimmer war er in vielen Bädern zu Gast und früh fiel sein Entschluss: „Später möchte ich in diesem Geschäftsfeld tätig werden.“ Mit Erfolg, wie unter anderem das Aquabasilea bei Basel und das Liquidrom in Berlin, beweisen. 

Und nun sollen auch in Werder (Havel) Erwachsene, Kinder, Erholungsuchende und Wasserliebhaber auf ihre Kosten kommen. Dafür wurde in den vergangenen knapp zweieinhalb Jahren einiges getan. Als Andreas Schauer von einem Reporter einer Potsdamer Tageszeitung gefragt wurde, Werders Wunschtherme Leben einzuhauchen, reagierte er zunächst verhalten. Ihm war klar, dass dies nach dem Scheitern des Erstprojektes nicht nur eine bauliche und technische Herausforderung werden würde. „Vor dem Verfahrensstart war ich dann auch mit meinem ganzen Kernteam eine Woche hier vor Ort. Wir haben alles auf uns wirken lassen und ich muss gestehen, eine gewisse Leidenschaft für den Standort wurde in mir geweckt. Ich wusste gleich: Einen so tollen Standort, vor den Toren der Hauptstadt bekommt man nie wieder“, erinnert sich Andreas Schauer. 

Es folgten Markterkundungs- und Interessenbekundungsverfahren, Ausschreibung und schlussendlich die Vergabegespräche. Am 4. Juli 2018 haben Werders Stadtverordnete mit 20 Ja- und 8 Neinstimmen sowie einer Enthaltung in einer außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung die Zuschlagserteilung im Vergabeverfahren für die neue Therme beschlossen. Die schauer & co. GmbH solle als wirtschaftlichster Bieter den angefangenen Badbau am Zernsee vollenden, erweitern und dann betreiben.

„Neben den Schwierigkeiten, einen unfertigen Bestandsbau baulich und technisch wieder herzurichten, bestand eine besonders große Herausforderung für uns darin, das zuvor verloren gegangene Vertrauen der Stadt Werder und seiner Bewohner in einen privaten Partner wieder herzustellen“, erinnert sich Andreas Schauer. Hinzu kamen die Schwierigkeiten, die es auch bei neuen Bauvorhaben gibt. „Fast täglich gab es Überraschungen und Dinge, die nicht gepasst haben. Doch unser Verständnis des gemeinsamen Vertrages ist es, das Vertrauen, das in uns gesetzt wird, zu rechtfertigen.“ 

„Viele Werderanerinnen und Werderaner freuen sich auf die Therme. Schulklassen und Kitagruppen können hier schwimmen gehen und auch unsere Tourismusbranche wird von dem Leuchtturmprojekt profitieren“, so Manuela Saß. „Ein Ziel des Thermenbaus war es zudem, die Tourismussaison im Interesse dieses wichtigen Wirtschaftszweiges unserer Stadt, bis in die kalte Jahreszeit zu verlängern.“

Doch es gibt nicht nur positive Stimmen, die den Bau der Therme von Beginn an begleiten. Andreas Schauer hat hierzu eine klare Meinung: „Wenn eine Entscheidung durch ein demokratisch gewähltes Gremium mehrheitlich getroffen wurde, dann darf diese durch das selbe Gremium im Anschluss nicht in Frage gestellt und torpediert werden. Dies ist für alle Beteiligten nicht nur unangenehm, sondern auch fehl am Platz. Wenn einmal ein Beschluss gefällt wurde, muss man diesen auch strikt durchziehen. Ich gehe völlig konform damit, dass Bauvorhaben aus der öffentlichen Hand, diskutiert und beleuchtet werden müssen. Aber nach einer demokratischen Entscheidung muss jegliche Grundsatzdiskussion darüber aufhören.“

Mit steigendem Baufortschritt war Andreas Schauer immer öfter auch im Badausschuss zu Gast und stand bereitwillig Rede und Antwort. In diesem Jahr, in dem sich die Uhren im Zuge der Corona-Pandemie an vielen Stellen etwas langsamer bewegten, ging es auf der Baustelle der Havel-Therme trotzdem mit „ordentlich Dampf im Kessel“ weiter. 

„Quasi über Nacht fielen osteuropäische Arbeitskolonnen und Fliesenleger wegen Corona aus. Zu der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr wusste ja keiner, ob Europa für längere Zeit geschlossen bleibt. Ebenso blieben Materiallieferungen aus. Die Pandemie hatte auch zeitliche Auswirkungen auf die Baustelle von etwa drei Monaten. Aber trotz der Verzögerung konnte die Therme sogar vor dem geplanten Zeitpunkt fertig gestellt werden, da der Bauablauf zuvor optimal lief und eingeplante Zeitpuffer nicht notwendig waren“, versichert der Überlinger.

„Nachdem wir Ostern 2019 die Baugenehmigung erhalten haben, legten wir im Mai/Juni gleich mit den Bauarbeiten los. Hierfür macht man sich einen Bauzeitplan. Doch mit Corona konnte damals ja noch keiner rechnen. Zum Glück arbeiten wir zum Teil seit Jahrzehnten mit den gleichen Firmen zusammen, die sich auch untereinander gut kennen. Ein Thermenbau ist unglaublich komplex, das gute Zusammenspiel der einzelnen Gewerke ist für den Erfolg des Baus entscheidend. Außerdem kommt es bei einem Öffentlich-Privaten-Partnerschaftsverfahren, wie der Havel-Therme, vor allem auf die Partnerschaft an. Und diese haben wir mit der Stadtverwaltung in einer besonders positiven Art und Weise erlebt. Der Badausschuss war hier etwas zurückhaltender.“

Cathleen Schönbrunn, die seitens der Stadt Werder (Havel) den Thermenbau als Projektmanagerin betreut, erinnert sich an tausende Dateien, die untereinander ausgetauscht wurden und eine wahnsinnige Aktenlage, die zahllose Ordner füllt. „Meine Aufgabe war es unter anderem, Herrn Schauer beim Erlangen der Baugenehmigung zu unterstützen, Unterlagen zu liefern, die er benötigt, Fragen, die zum Bestandsbau auftraten zu klären und natürlich den Baufortschritt zu dokumentieren.“ 

„Ich muss hier wirklich die ausgesprochen gute Zusammenarbeit loben. Die Kommunikation mit Herrn Schauer war immer tadellos. Wenn Probleme auftraten, wurden diese zielführend diskutiert“, so Manuela Saß. Und Andreas Schauer ergänzt kurz und knapp: „Es hat einfach gepasst!“ Wie in jeder guten Partnerschaft ist es wichtig, dass man miteinander spricht und Verständnis für die Belange des anderen hat, dann können auch große Projekte erfolgreich gemeistert werden. 

Hier in Werder (Havel) direkt am Zernsee ist mit der Havel-Therme ein Angebot entstanden, das es so in Berlin und Brandenburg kein zweites Mal gibt. 12 Sauna- und Schwitzangebote, Innen- und Außenthermenbecken, mehrere Poolbars, ein Sportschwimmbecken mit Sprungturm, verschiedene Gastronomieangebote und Massagesuiten gehören zur mediterranen Erlebniswelt. Originale Einbauteile aus den Ursprungsländern sowie mediterranes Essen komplettieren die Idee des ewigen Sommers. Ein Thermenbesuch gleicht einem Urlaubstag am Mittelmeer – gutes Wetter garantiert!

„Das Alleinstellungsmerkmal ist eindeutig die direkte Lage am Wasser“, freut sich Andreas Schauer. Die Therme soll täglich von 9 bis 24 Uhr geöffnet sein, am Freitag und Samstag sogar bis 2 Uhr. Eine Ausnahme gilt für das Schulschwimmen, die Schülerinnen und Schüler dürfen schon früher ins Wasser. „Da wir Öffnungszeiten und keine Beginnzeiten haben, werden die Besucherströme etwas entzerrt. So haben wir kontinuierlich Zu- und Abfahrten“, erklärt Andreas Schauer in Hinblick auf die zu erwartenden, zahlreichen Gäste.  

Auf die Frage, ob er sich nochmal für so ein großes Projekt in Werder (Havel) entscheiden würde, antwortet Andreas Schauer: „Im Nachhinein betrachtet die Fertigstellung einer Bauruine eher nein. Das Baukostenrisiko bei einer Übernahme eines technisch so aufwendigen Bauwerks ist viel zu hoch. Wir haben mehrere Millionen mehr ausgegeben als ursprünglich geplant. Zum Teil waren das Attraktivitätssteigerungen wie der Wildbach und die Breitrutsche im Familienbad, die wir noch zusätzlich selbst finanziert haben, zum Teil aber auch zusätzliche Auflagen aus der Baugenehmigung oder Nachforderungen des Brandschutzes. Hier wäre eigentlich die Stadt gefordert gewesen. Aber bisher haben wir das alles bezahlt. Bei meiner Sprunghaftigkeit würde ich natürlich das schöne Hotelprojekt als Thermenhotel mit direktem Zugang für die Ferienhausgäste sofort umsetzen! Das wäre der richtige Schritt für die Stadt Werder als touristischer Standort. Vielleicht gibt es ja dann einen Thermen-Hotel-Badausschuss mit lebhaften Diskussionen“, schmunzelt er abschließend. 

„Wir können uns glücklich schätzen, dass wir mit der Entscheidung für diese Partnerschaft die richtige Wahl getroffen haben“, resümiert Bürgermeistern Saß die Zusammenarbeit mit dem Projektpartner und schaut optimistisch in die Zukunft der Havel-Therme und auf die der Stadt. „Eine der wichtigsten, mir bei meinem Amtsantritt gestellten Aufgaben, den Bau der Therme zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, konnte ich nicht zuletzt dank unseres Partners und einer tollen Mannschaft im Rathaus erfüllen. Ich hoffe, den erfolgreichen Betrieb auch in den nächsten Jahren sichern und begleiten zu dürfen.“ (wsw)