Windkraft-Anlagen: „Man will die Akzeptanz erkaufen“

Neuer Windkrafterlass der Landesregierung stößt auf Entsetzen und Widerstand bei Windkraft-Gegnern

Diese Fotomontage zeigt, wie es aussehen könnte. Bild: Werderfoto.de

Werder (Havel), 26. Februar 2018 – Windkraftanlagen – mit über 200 Metern höher als der Kölner Dom, errichtet in Wäldern, die die so wichtige „grüne Lunge“ bilden, in denen schützenswerte Tiere leben und in deren unmittelbarer Nähe Menschen leben. Gegen diese Pläne macht der Verein „Waldkleeblatt – Natürlich Zauche“ seit Jahren mobil. Und gerade erst positionierte sich die Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig bei einer Informationsveranstaltung in Werders Ortsteil Bliesendorf ganz klar gegen die Pläne: „Der Irrsinn, Windräder in den Wald zu bauen, muss endlich gestoppt werden“. Das Windeignungsgebiet 24 (WEG 24) Bliesendorfer Heide im Regionalplan Havelland-Fläming mit bis zu 50 Windrädern betrifft weite Teile der Region Werder (Havel).

Bliesendorfs Ortsvorsteherin Eveline Kroll, die auch Vorsitzende der Bürgerinitiative Bliesendorf ist und in der vergangenen Woche zur stellvertretenden Vorsitzenden des Waldkleeblatt-Vereins gewählt wurde, reagierte jetzt auf den neuen Windkrafterlass der brandenburgischen Regierung.

Mit diesem „Erlass zur Kompensation von Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft durch Windenergieanlagen“ (Windkrafterlass) hat das Brandenburger Umweltministerium bisher in unterschiedlichen Rechtsvorschriften enthaltene Regelungen zusammengefasst und aktualisiert. Der Erlass, über den das Ministerium in der vergangenen Woche informierte, soll bei immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen angewendet werden. Durch die Errichtung von Windkraftanlagen verursachte Beeinträchtigungen des Naturhaushalts und des Landschaftsbilds sind demnach durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu kompensieren. Erst wenn dies nicht möglich ist, soll eine Ersatzzahlung zu entrichten sein.

Für Eveline Kroll steht fest: „Man will die Akzeptanz der Kommunen und Bürger ‚erkaufen‘! Aber zumindest wurde der Widerstand der bundesweit tätigen Bundesinitiative Vernunftkraft mit 1 000 angeschlossenen Bürgerinititativen bemerkt.

„Eine Akzeptanz der Bürger vor Ort wird es mit dem neuen Verfahren nicht geben. Denn weiterhin verlieren die Bürger ihre naturverbundene Heimat, unterliegen Gesundheitsgefahren und Wertverluste ihrer Immobilien“, sagte sie gegenüber Wir sind Werder.

In den bisherigen Genehmigungsverfahren wurde, wie Evi Kroll erläutert, im Rahmen des Landschaftspflegerischen Begleitplans der Windparkbetreiber eine Bewertung der Landschaft vorgenommen und für die technogene Entstellung eine Einmalzahlung an die Kommune berechnet und bei Aufstellung der Windkraftanlagen bezahlt.  „Grundsätzlich sollten und sollen die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Rahmen des Naturschutzes auf Flächen der betroffenen Kommune erfolgen, was bisher aber aufgrund von nicht ausreichend vorhandenen Flächen meistens nicht möglich war“.

Entsetzt ist sie über die Aussage in dem Kompensationserlass der Brandenburgischen Regierung: ‚Ersetzt ist eine Beeinträchtigung, wenn und sobald die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalt in dem betroffenen Naturraum in gleichwertiger Weise hergestellt sind und das Landschaftsbild landschaftsgerecht neu gestaltet ist.

„Die beeinträchtigten Funktionen wie Frischluftentstehung, Wasserhaushalt und CO2-Bindung eines geschlossenen Waldgebietes mit Innenklima wie z.B. der Wald des WEG 24, können in gleichwertiger Weise nicht hergestellt werden“, sagt die engagierte Streiterin gegen die Windkraftanlagen in der Region Werder (Havel). „Und wie sollte man ein Landschaftsbild landschaftsgerecht so neu gestalten, dass die technogene Entstellung der 230 Meter hohen Windkraftanlagen nicht auffällt? Sogar in den Betreibergutachten geht man von einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes auch auf den Schwielowsee aus. Die negative Wirkzone der technogenen Entstellung der Windkraftanlagen auf das Landschaftsbildes ist bis 10 Kilometer! Ich sehe daher in dem Windkrafterlass keine großen Neuerungen, außer eventuelle jährliche Zahlungen für den Naturschutz, die aber letztendlich die negativen Auswirkungen auf die Kommune und insbesondere auf den staatlich anerkannten Erholungsort Werder (Havel) mit der Ausrichtung auf den Tourismus, nicht ausgleichen können“, so Eveline Kroll. Pro Windkraftanlage müssten mindestens 450 Bäume gerodet werden, hinzu kämen weitere 350 Bäume für die Zuwegung. Weiterhin ungeklärt aber vermutet sind die gesundheitlichen Auswirkungen der Windräder auf die Menschen. Zudem wird kritisiert, dass der durch Windkraft erzeugte Strom teuer und unzuverlässig ist. Eine industrielle Speicherung ist derzeit nicht möglich. (wsw)


Weitere Informationen gibt es unter www.waldkleeblatt.de
Der neue Windkrafterlass ist online abrufbar unter:
mlul.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/Kompensationserlass-Windenergie.pdf