Wir waren beim Vorlesewettbewerb in der CvO dabei!

Nur wer liest, kann verstehen / Insbesondere das Vorlesen schafft es, gemeinsam neue Welten zu entdecken

Wir haben natürlich während des Vorlesens die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nicht durchs Fotografieren abgelenkt. Das Foto entstand während einer kleinen Pause., Foto: wsw

Werder (Havel), 5. Dezember 2018 – Heute wurde uns eine ganz besondere Ehre zuteil: „Wir sind Werder“ durfte beim Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels in der Carl-von-Ossietzky-Oberschule mit angegliederter Primarstufe in der Jury sitzen. Gemeinsam mit Petra Amelung und Christa Bellin sollten wir aus fünf begeisterten Lesern aus den sechsten Klassen den Besten küren. Wer da wohl aufgeregter war, wir oder die fünf Schüler?

Bereits zum achten Mal fand der Klassen- und Schulentscheid an der Schule in Werders Stadtmitte statt. Bevor die Schüler ihr Können vor der Jury unter Beweis stellten, wurden sie zuvor in ihrem Klassenverband als beste Vorleser ausgewählt. Eigentlich sollten vier Schülerinnen und zwei Schüler bei dem Wettbewerb antreten, doch krankheitsbedingt musste eine junge Vorleserin ihre Teilnahme leider absagen.

Bevor es losging, richtete Klassenlehrerin und Wettbewerbs-Organisatorin Franziska Zomack einleitende Worte an die Schüler. Sie begann mit einem Zitat von Heinrich Heine: „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.“ Lesen ist die Grundlage aller Bildung und deshalb ist es so wichtig, dass vor allem junge Leute hin und wieder das Smartphone zur Seite legen, ein gutes Buch zur Hand nehmen und sich in eine traumhafte Fantasiewelt lesen. Und insbesondere das Vorlesen kann auf die Fantasie der Zuhörenden zugreifen und so neue Traumwelten in den Köpfen entstehen lassen. Im Mittelpunkt des Vorlesewettbewerbes standen daher Lesefreude und Motivation.

Franziska Zomack erklärte auch kurz die Regeln: In der ersten Runde müssen die Schüler drei Minuten lang einen Textabschnitt aus einem Buch ihrer Wahl vorlesen. Sie müssen selbstständig entscheiden, wann die drei Minuten um sind, und sollten bestenfalls nur wenige Sekunden über oder unter dem Zeitlimit liegen. In der zweiten Runde bekommen die Teilnehmer einen Fremdtext vorgelegt, aus dem sie zwei Minuten vorlesen müssen. Die Zeit wird in dieser Runde von der Organisatorin gestoppt. Bewertet werden sollten die Lesetechnik, die Interpretation und die Textauswahl. Zur Lesetechnik zählen das sichere und flüssige Vorlesen, eine deutliche Aussprache, die Betonung und das Tempo. Bei der Interpretation sollte die Jury bewerten, ob Inhalt und Stimmung der Textpassage passend umgesetzt wurden und ob die Tonlage entsprechend variierte. Die Textauswahl wurde natürlich nur bei dem Wahltext bewertet. Hier war entscheidend, wie gut die Textstelle ausgewählt wurde, ob sie verständlich war und ob die Zeitvorgabe von drei Minuten eingehalten wurde. Gemeinsam mit den anderen beiden Jurymitgliedern bewerteten wir die genannten Kriterien anhand einer Punkteskala von eins bis fünf. Insgesamt konnte jeder Kandidat 75 Punkte erreichen.

Und dann ging es los! Der Reihe nach nahmen uns die fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf eine spannende Lesereise. Und mit „uns“ sind nicht nur wir aus der Jury gemeint, sondern auch die Klassenkameraden der Vorleserinnen und Vorleser, die im Publikum Platz genommen haben. Das sorgte bestimmt für zusätzliche Aufregung.
Die selbstgewählten Texte stammten aus den Büchern „Drachenkuss“ von Janet Lee Carey, „Gryphony Band 4“ von Michael Peinkofer, „Tintenherz“ von Cornelia Funke, „Wilder Wurm entlaufen“ von Veronica Cossanteli und „Das geheimnisvolle Spukhaus“ von Henriette Wich. Ohne große Probleme lasen die Schüler ihre Texte vor und sorgten mit teilweise lustigen Passagen für Begeisterung bei den Klassenkameraden. Nach einer kurzen Pause von 15 Minuten ging es dann in die zweite Runde. Als Fremdtext hat Franziska Zomack die Geschichte des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry gewählt. Nacheinander traten die fünf Schüler nach vorne und lasen immer je zwei Minuten aus der fantasievollen Geschichte vor.

Und dann waren abschließend wir aus der Jury gefragt. Während des Vorlesens haben wir uns bereits Notizen gemacht und mussten feststellen: Die Vorlesefähigkeiten der fünf Schülerinnen und Schüler waren allesamt auf einem gleich hohen Niveau. Doch eine Leserin überzeugte uns mit ihrem Ausdruck und ihrer Interpretation der beiden Texte doch noch etwas mehr und so konnte am Ende die überraschte Jolene begeistert die Urkunde für den ersten Platz in den Händen halten. „Ich habe nicht damit gerechnet“, freut sich die Sechstklässlerin. „Ich hatte am Wochenende noch einen Leichtathletik-Wettkampf und habe so den ganzen Montag zum Lesen und Vorbereiten genutzt.“ Sie verrät uns, dass sie bereits 83 Bücher gelesen hat. Und das 84. hielt sie nach dem Wettkampf bereits in den Händen. Als Gewinn bekam sie von der Buchhandlung Hellmich aus Werder (Havel) das Buch „Im Labyrinth der Lügen“ von Ute Krause überreicht.

Als nächstes muss sich Jolene dann beim Kreisentscheid beweisen, der im Zeitraum von Januar bis Ende Februar 2019 ausgetragen wird. „Ich freue mich auf die nächste Runde, bin aber auch ganz schön aufgeregt“, erzählt sie uns. Und sollte sie eine Runde weiterkommen, geht es zu den Bezirksentscheiden, die von März bis April 2019 stattfinden, anschließend zu den Landesentscheiden im Mai 2019 und dann zum Finale im Juni 2019. Wir drücken Jolene ganz fest die Daumen für die nächste Runde und wünschen ihr viel Erfolg bei dem Kreisentscheid im kommenden Jahr. Übrigens hat ein Schüler aus dem Publikum im Anschluss an den Vorlesewettbewerb gesagt, dass er auch einmal das Buch „Tintenherz“ von Cornelia Funke lesen möchte, ihm hat die vorgelesene Textpassage nämlich sehr gut gefallen. (wsw)


Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und zählt zu den größten bundesweiten Schülerwettbewerben. Rund 600.000 Schülerinnen und Schüler beteiligen sich jedes Jahr. Mitmachen können alle sechsten Schulklassen. Wer gerne liest und Spaß an Büchern hat, ist eingeladen, sein Lieblingsbuch vorzustellen und eine kurze Passage daraus vorzulesen.
Bücher gibt es für jeden Geschmack und zu allen Themen. Ob Spannung, Unterhaltung, Wissen: Lesen ist Kino im Kopf und eine Reise in fremde Welten. Der Vorlesewettbewerb bietet die Gelegenheit, die eigene Lieblingsgeschichte vorzustellen und jede Menge neue Bücher zu entdecken.
Der Vorlesewettbewerb wird seit 1959 jedes Jahr vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen und kulturellen Einrichtungen veranstaltet.