Zu Hause ist es doch am schönsten! – Oder auch nicht …

Home-Office, Home-Schooling, Kinderbetreuung. Zur Zeit wird uns allen beruflich und privat ziemlich viel abverlangt. Doch mit ein paar Tipps kann man die Mehrfachbelastung etwas einfacher händeln.

Werder (Havel), 10. Februar 2021 – Das Telefon klingelt, während man gerade im Video-Meeting sitzt, auf dem Herd kocht das Mittagessen (über), das kleinste Kind singt voller Inbrunst Weihnachtslieder und spielt fangen mit dem Meerschweinchen, während das große Kind über den Schularbeiten verzweifelt. Irgendwo geht etwas zu Bruch, meist ist es der Geduldsfaden, der lautstark zerreißt.  


Den Spagat zu meistern aus Arbeit und Kinderbetreuung fällt nicht nur den Unsportlichsten unter uns zur Zeit recht schwer. Man hat das Bedürfnis, es jedem Recht machen zu wollen und am Ende sind doch alle unzufrieden. Doch wie kommt man aus dieser frustrierenden Spirale am besten wieder heraus?

Der wichtigste und wahrscheinlich auch am schwierigsten umzusetzende Tipp ist, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen, vor allem wenn es um die Bewältigung der Schulaufgaben geht. Sobald man selbst etwas entspannter ist, nimmt man automatisch den Stress auch von den Kindern. Der Zusammenhalt in der Familie und der Rückhalt für die Kinder sind in dieser Zeit wichtiger und bedeutender denn je. Sie fühlen sich dennoch überfordert und kommen bei Algebra, englischer Grammatik und Co. an Ihre Grenzen? Dann suchen Sie den digitalen Kontakt zu den Lehrkräften oder Mitschülern und bitten um Unterstützung. 


Dass ein ruhiges, konzentriertes und effektives Arbeiten zu Hause und inmitten der Familie nur schwer möglich ist, ist keine Überraschung: „Gleichzeitig Home-Officeing, Home-Schooling, Home-Haushalting und Home-Bespaßungsclowning. Ergibt Home-Nervenzusammenbruching.“ (Quelle: Twitter)

Helfen kann hier ein geregelter Tagesablauf und ein fester Arbeitsplatz. Auch wenn es verlockend ist, den Wecker morgens nochmal weiterzustellen und sich anschließend in Joggingshose gekleidet mit dem Laptop auf die Couch vor den Fernseher zu setzen, ist dies für einen produktiven Arbeitstag wenig hilfreich. 

Richten Sie sich einen kleinen Arbeitsplatz ein, es muss ja nicht gleich ein ganzes Büro sein. Wenn Sie einen festen Platz in der Wohnung zu Ihrem persönlichen Home-Office ernennen, fällt es auch den Kindern leichter, Ihnen dort die nötige Ruhe zum Arbeiten zu gewähren. Und eine angemessene Kleidung kann dabei helfen, den Arbeitsmodus einzulegen und sich richtig zu fokussieren. So ergeben sich bei spontanen Video-Calls auch keine unangenehmen Schlafanzug-Überraschungen. 

Ebenfalls hilfreich sind feste Arbeitszeiten. Zugegeben, mit Kindern im Haus muss man genügend Puffer für eventuelle Unterbrechungen einplanen. Aber wenn man früh morgens mit dem Arbeiten beginnt, die Kinder währenddessen ihre Schulaufgaben erledigen und die Kleinsten ein Bild malen oder basteln, kann man getrost mittags ein kleines Päuschen einlegen. Ein fruchtiger Snack und ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft mobilisieren die Lebensgeister und geben Kraft für die nächste Arbeitsrunde. 

Oftmals kommt man im Home-Office in die Bredouille, beweisen zu wollen/müssen, wie produktiv man ist. Gerne setzt man sich dann auch abends nochmal an den Computer, obwohl man sein Soll längst erfüllt hat. Setzen Sie sich feste Arbeitszeiten und halten Sie diese soweit es geht ein. Schalten Sie den Computer dann auch wirklich aus wenn Feierabend ist. Dies ist vor allem für ein harmonisches Familienleben wichtig. 

„Mich irritieren die Bilder, auf denen Eltern entspannt Homeoffice machen, während ihre Kinder im Hintergrund ruhig spielen.

Meiner Erfahrung nach dauert dieser Zustand nie länger als 2 Minuten – und auch nur weil die Kinder gerade damit beschäftigt sind, die Katze zu rasieren.“  (Quelle: Twitter)

Starre Zeitpläne, feste Termine und pünktliche Abgaben sind mit Kindern nur schwer einzuhalten. Und hier sind wir auch schon wieder bei dem ersten Punkt angelangt: Nehmen Sie nicht nur den Druck von Ihren Kindern, sondern auch den von Ihren Schultern. Nur die wenigsten von uns sind Lehrer, Erzieher, Motivationscoach, Alleinunterhalter, Zen-Meister, Koch, Mitarbeiter des Monats und Haushaltsfee in einem. Da kann man ruhig auch einmal öfter den Fernseher oder die Spielekonsole anmachen, um einen Moment durchatmen zu können. Es kommen auch wieder entspanntere Zeiten. Ganz bestimmt. (wsw)