Zukunftsrat tagte zum Zukunftshaushalt

Werder (Havel), 22. September 2020 – Sie heißen Cora, Isabella, Jonathan oder Moritz. Sie reden gern über Musik und Fußball, über Klamotten oder Videospiele. 23 zufällig ausgeloste Kinder und Jugendliche aus der Stadt und den Ortsteilen bilden den neuen Werderaner Zukunftsrat. Am Freitag tagte das Gremium, dass die Wahlen zum Zukunftshaushalt vorbereiten soll, zum ersten Mal.

„Ihr bereitet hier die Entscheidung darüber vor, wie 200.000 Euro verwendet werden sollen“, sagte Werders 1. Beigeordneter Christian Große zur Begrüßung. „Dabei könnt ihr lernen, wie Demokratie funktioniert.“ Genau das ist die Idee hinter dem Werderaner Zukunftshaushaltes: Kinder und Jugendliche mit kommunalpolitischen Prozessen vertraut zu machen und sie tatsächlich abstimmen zu lassen.

Vom Zukunftshaushalt hörten viele der Jugendlichen bei dem Treffen zum ersten Mal: Er ist ein Bürgerhaushalt, bei dem alle Einwohner der Stadt Vorschläge für Projekte einreichen können. Welche der 43 eingereichten Projekte finanziert werden, entscheiden jedoch Kinder und Jugendliche. Das soll voraussichtlich im November bei Wahlen in den Werderaner Schulen geschehen.

Der Zukunftstrat bereitet diese Wahlen vor und soll zum Beispiel überlegen, wie viele Stimmen die Kinder und Jugendlichen abgeben können. Betreut wird er von der Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg und vom Referenten für Einwohnerbeteiligung der Stadt Werder (Havel), Linus Strothmann, der auch für das Gesamtverfahren zuständig ist.

Nach Kennenlernrunden, bei denen es um Lieblingsthemen, Lieblingsorte oder Wünsche ging, kamen die Kinder und Jugendlichen schnell zur Sache. Zunächst wurde thematisiert, wo eigene Prioritäten bei den städtischen Themen liegen: vor allem bei Sportanlagen, Radwegen sowie der weiteren Digitalisierung der Schulen sehen sie Handlungsbedarf.

Dann begann die eigentliche Aufgabe: Die 43 Vorschläge des Zukunftshaushaltes darauf zu prüfen, ob sie für Kinder und Jugendliche verständlich sind. Zu jedem Vorschlag konnten Fragen, Verbesserungsvorschläge und Hashtags aufgeschrieben werden. Schnell zeigte sich: Viele Vorschläge sind noch zu lang, sollten in einem Satz zusammengefasst werden. Manche Vorschläge doppeln sich auch.

„Die Hinweise des Zukunftsrates waren sehr wertvoll und werden uns bei einer Zusammenstellung aller Vorschläge helfen, die auch ein Zehnjähriger ohne weiteres versteht“, sagte Linus Strothmann nach dem Treffen. Anhand der Hinweise werden die Vorschläge nun durch die Fachstelle und den Einwohnerbeteiligungsreferenten überarbeitet und dann dem Zukunftsrat auf dem zweiten Treffen am 9. Oktober vorgelegt.

Bis dahin sollen auch schon Designvarianten für die Präsentation der Vorschläge in einem Wahlheft fertig werden. Über beides soll dann der Zukunftsrat entscheiden, in den Herbstferien werden die Wahlunterlagen erstellt. „Die Schulen haben dann die Möglichkeit, das Thema mit den Wahlheften, einer Posterausstellung und einer von uns bereitgestellten Präsentation zu vermitteln“, so Linus Strothmann.

Eines hat der Zukunftsrat schon entschieden: Da im Zukunftshaushalt mindestens sechs Vorschläge finanziert werden können, weil jeder Vorschlag maximal 30.000 Euro Förderung bekommt, haben sie sich schnell darauf geeinigt, dass jede Schülerin und jeder Schüler sechs Stimmen verteilen darf. Und: Jeder Vorschlag kann nur eine Stimme erhalten. Auch hier waren sie sich fast alle einig. (wh)

Foto: Stadt Werder (Havel) / Linus Strothmann