“Zusammen für ein Baumblütenfest 2020” im SCALA Kulturpalast

Werder (Havel), 17. Oktober 2019 – Etwa 100 Einwohner (Angabe ohne Gewähr) haben gestern an der Veranstaltung “Zusammen für ein Baumblütenfest 2020” im SCALA Kulturpalast teilgenommen. Ziel des Zusammentreffens war es, gemeinsam Ideen und Konzepte zu erörtern, die ein Baumblütenfest schon im kommenden Jahr 2020 realisieren können. Initiator der Veranstaltung war Sven Schlunke, der am gestrigen Abend auch als Moderator fungierte. Auf der Bühne Platz genommen, haben Niklas Paul, Patrick Plönnig, Dr. Reinhard Schmidt, Jens Rzegotta, Michael Jacob und Paul Mauersberger.

Patrick Plönnig
Patrick Plönnig ist der Initiator der Demonstration “Unsere Stadt – Unsere Tradition, Baumblüte 2020” und hat gestern für den neu gegründeten Förderverein Baumblüte e.V. gesprochen. Hauptanliegen des Fördervereins ist, dass die Stadt Werder (Havel) der Veranstalter des Baumblütenfestes wird. Auch im kommenden Jahr soll es in der Innenstadt einen Festbereich geben. So kann sich der Verein auf dem Plantagenplatz eine Werderbühne vorstellen, auf der Vereine, Schulen und Werderaner die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren. Da der Hartplatz der einzige Platz in Werder ist, auf dem ein Rummel aufgebaut werden kann, solle dies auch im nächsten Jahr geschehen. Ein familienfreundliches Rahmenprogramm, gediegene Musik auf der Bismarckhöhe für das ältere Publikum und Hakke-Musik als beliebte “Institution” sollen das Fest auch 2020 für alle Altersgruppen attraktiv machen. Zudem soll die Busroute auf die Obsthöfe bis 22 Uhr ausgeweitet werden, sodass die Besucher der Obstgärten am Panoramaweg auch sicher wieder nach Hause/zum Bahnhof kommen. “Gegeneinander bringt nichts, wir müssen gemeinsam mit der Stadt arbeiten”, so Patrick Plönnig.

Dr. Reinhard Schmidt
Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins fordert, dass auch in 2020 der Abverkauf des vorhandenen Weins gesichert wird. Die Baumblüte sei schließlich ein biologischer Prozess, der jedes Jahr stattfindet. Die Bestände sind da, der Wein ist bereits angesetzt. Vorstellen kann er sich, dass die Schuffelgärten hinter dem Lindowschen Haus wiederbelebt werden könnten. Zudem könnten entlang des Panoramwegs auch andere Händler ihre Waren anbieten, dies müsse nicht zwingend Obstwein sein. Hierfür sind die Blütenfahrten unerlässlich, die auf eine zweite Route ausgeweitet werden könnten. “Im kommenden Jahr wird es den Wettbewerb um die Goldene Kruke sowie die Wahl zur Baumblütenkönigin in jedem Fall geben”, versicherte Dr. Reinhard Schmidt. Und wenn es einen Baumblütenumzug geben sollte, ist der Obst- und Gartenbauverein ebenfalls dabei.

Jens Rzegotta
Dem Obstweinhersteller, der seit zehn Jahren Obstwein auf der Baumblüte verkauft, ist der Schock über die Absage des Baumblütenfestes immer noch ins Gesicht geschrieben. Seiner Meinung nach müsse man im kommenden Jahr auch im Zentrum ein attraktives Angebot für die Besucher schaffen und die Eisenbahnstraße mit einbeziehen. Die Stände Unter den Linden sollen wie bisher aufgebaut werden und auch zusätzlich in der Kellermannstraße. “Die Besucher kommen aus ganz Deutschland nach Werder zum Baumblütenfest. Wir müssen auf Qualität setzen statt Quantität”, so Jens Rzegotta.

Michael Jacob
In vierter Generation ist Michael Jacob Schausteller. Gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls einer Schaustellerfamilie entstammt – ihre Eltern betreiben den Break Dance auf dem Rummelplatz sowie den Indoorspielplatz in den Havelauen – lebt er in Werder und jedes Jahr zum Baumblütenfest unterhalten sie die Besucher mit Entenangeln und Ballwerfen. “Nicht nur der Obstweinverkauf gehört zum Baumblütenfest, sondern auch der Rummel”, ist sich Michael Jacob sicher. Seine Erfahrungen, die er auf zahlreichen Veranstaltungen gesammelt hat, zeigen, dass alle gut funktionierenden Volksfeste von stadteigenen Betrieben organisiert werden. Dies wünscht er sich auch für Werder. 51 Prozent der Entscheidungskraft/Verantwortung lägen bei der Stadt, die restlichen 49 Prozent können sich z.B. auf verschiedene Vereine und Schausteller aufteilen. “Dann wäre die Baumblüte ein Fest aus der Stadt für die Stadt.”

Niklas Paul
Niklas Paul ist als Vertreter für die jugendlichen Festbesucher an dem Abend dabei. Für ihn ist die Blüte auch immer ein Treffen mit alten Freunden. Und der Rummel gehört für ihn zur Baumblüte einfach mit dazu, schließlich ist er für die Kinder das Größte. Er kritisiert, dass in den Medien meist nur die negativen Seiten der Baumblüte präsentiert werden. “Nicht alle Jugendlichen betrinken sich hemmungslos und nehmen Drogen”, stellt er klar.

Paul Mauersberger
Paul Mauersberger hat die Facebook-Gruppe “Rettet die Baumblüte” ins Leben gerufen, die bereits nach kurzer Zeit auf große Resonanz stieß. “Das macht deutlich, wie wichtig das Baumblütenfest für die meisten ist”, erklärt er. Für ihn müsse die Baumblüte für alle Altersklassen attraktiv werden.

Im Anschluss erkundigte sich Sven Schlunke bei Michael Jacob, ob man den Rummel auch an einem anderen Ort aufbauen könnte. “Weder auf der Bismarck- noch auf der Friedrichshöhe gibt es die Möglichkeit für einen Rummel. Und auf abgelegenen Plätzen, wie zum Beispiel auf dem alten LPG-Gelände an der Hans-Sachs-Straße, fehlt einfach die nötige Infrastruktur. Der Kostenfaktor, den Rummel zu entzerren, wäre enorm. Bis jetzt gibt es die nötigen Anschlüsse nur auf dem Hartplatz. Alles andere würde Millionen verschlingen.”

Er versicherte zudem, dass die Schausteller für ein Baumblütenfest 2020 zur Verfügung stehen würden. Er bekomme jeden Tag bis zu zehn Anrufe von Berufskollegen, verrät er. “Wir kriegen den Hartplatz auf jeden Fall voll – mit Qualität!”

Der nächste Schritt ist jetzt, wie Patrick Plönnig ankündigte, einen offenen Brief an die Stadtverordneten zu schicken, in dem die Ideen für ein neues Konzept geschildert werden. Zudem werde der Förderverein in der außerplanmäßigen Sitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung, Kultur, Sport und Ordnung am 28. Oktober sprechen. Der Ausschuss soll die Rahmenbedingungen einer Baumblüte in den Höfen und Gärten klären und bis zum 12. Dezember eine Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung vorbereiten. Die Verwaltung wurde beauftragt, für die Baumblüte in den Höfen und Gärten ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten.
Am 4. November findet im Saal der Bismarckhöhe die Einwohnerversammlung um 18.30 Uhr statt. Dort beginnt der Einwohnerbeteiligungsprozess mit einer Information der Bürger.

Die Stadt hat für das kommende Jahr ein stark reduziertes Fest auf den Obsthöfen angekündigt. Die Beteiligten vom gestrigen Abend begrüßen die Entscheidung für eine verkleinerte Baumblüte, jedoch sollen Rummel, Bühnen und Stände wie gehabt in der Innenstadt für Unterhaltung sorgen.
“Alle Überlegungen für eine Neuorientierung des Baumblütenfestes für das kommende Jahr stehen und fallen mit der Frage: Ist die Stadt Veranstalter oder nicht?”, so Patrick Plönnig. Die Antwort darauf gibt es dann vielleicht am 4. November. (wsw)